Gertrud ARNDT, Irene BAYER, Lotte BEESE, T. Lux FEININGER, Walter FUNKAT, Lucia MOHOLY, Carl Haenlein (ed.), Gerhard Glüher (text), Suzanne E. Pastor (text)

Photographie und Bauhaus

Broschierte Ausgabe ohne Schutzumschlag (wie
erschienen), 21 x 20,5 x 2,5 cm., 248 S., 228 S/W-Abb., deutsch-sprachiger Text - GERMAN TEXT ONLY!.
Kestner Gesellschaft 1986.
ISBN n.a.

nicht verfügbar

 

“It is said of those who have studied at the Bauhaus that they carry forever after an invisible Adelsbrief or patent of nobility.

Despite the halo bestowed by history and historians upon those who attended the Bauhaus—and perhaps because of this halo—it has become increasingly necessary to attempt a clearer contextual study of the 'Bauhaus phenomenon': from its foundation in 1919 as a school of art and design by architect Walter Gropius, through its colorful course during a period of extreme economic and political instability, to its ultimate dissolution in 1933 with the coming to power of the right-wing National Socialist Party under Adolf Hitler.

The phenomenon of photography’s rebirth in Europe between the two world wars appeared in a multitude of new guises variously labeled ‘experimental,’ ‘New Vision,’ ‘New Photography,’ and ‘New Objectivity.’ The practice of photography at the Bauhaus and its alleged subsequent international influence require closer study. For many who studied and photographed at the Bauhaus, the concept of ‘Bauhaus photography’ appears largely a myth.

Outspoken former Bauhaus members, or ‘Bauhäusler,’ including Lucia MOHOLY, Walter FUNKAT, T. Lux FEININGER, Irene BAYER, Lotte BEESE, and Gertrud ARNDT, all of whom photographed rather extensively at the Bauhaus—and none of whom learned photography there—emphasize repeatedly that there was no such thing.
Photography was ‘in the air’ throughout Europe just like a lot of other things, an international phenomenon and nothing out of the ordinary at the Bauhaus.

They recall that every second person was taking pictures on the side, and nobody thought it particularly remarkable.
The term ‘Bauhaus Photography’ is in many ways a misnomer. In order to place the phenomenon into a broader, more accurate context, the term 'Bauhaus photographs' is recommended: it refers not to a movement or kind of photography but to images made by Bauhaus teachers and students or relating to Bauhaus people, events, objects, exercises, graphics, publications, and architectural structures.

With respect to the Bauhaus as a school, the emphasis is on the use of photography among the Bauhäusler, as well as on the prevailing art theories that may have affected this practice.” (© Suzanne E. Pastor, A publication on the occasion on the exhibition with the same title held at Kestner-Gesellschaft Hannover, September 19 to November 2, 1986.)

„Von denen, die am Bauhaus studiert haben, heißt es, dass sie einen unsichtbaren Adelsbrief oder ein Adelspatent für immer innehaben.

Trotz des von der Geschichte und den Historikern verliehenen Heiligenscheines für die Bauhaus-Schüler - und vielleicht auch aufgrund dieses Heiligenscheines - ist es zunehmend notwendig geworden, eine klarere kontextuelle Untersuchung des 'Bauhaus-Phänomens' zu versuchen: seit seiner Gründung im Jahr 1919 als Kunstschule nach dem Entwurf des Architekten Walter Gropius und durch seinen farbenfrohen Verlauf in einer Zeit extremer wirtschaftlicher und politischer Instabilität bis zu seiner endgültigen Auflösung im Jahr 1933 mit der Machtübernahme der rechten Nationalsozialistischen Partei unter Adolf Hitler.

Das Phänomen der Wiedergeburt der Fotografie in Europa zwischen den beiden Weltkriegen tauchte in einer Vielzahl von neuen Erscheinungsformen auf, die als 'experimentell', 'Neues Sehen', 'Neue Fotografie' und 'Neue Sachlichkeit' bezeichnet wurden; angebliche spätere internationale Einflüsse bedürfen einer genaueren Untersuchung.
Für viele, die am Bauhaus studiert und fotografiert haben, blieb das Konzept der 'Bauhaus-Fotografie' weitgehend ein Mythos.

Besonders ehemalige Bauhaus-Mitglieder (oder: 'Bauhäusler'), darunter Lucia MOHOLY, Walter FUNKAT, T. Lux FEININGER, Irene BAYER, Lotte BEESE sowie Gertrud ARNDT, welche alle am Bauhaus ausführlich fotografierten - und von denen keiner Fotografie gelernt hat - betonen immer wieder, dass es so etwas nicht gegeben hat.
Fotografie lag einfach wie viele andere Dinge in ganz Europa in der Luft; es war ein internationales Phänomen und nichts Außergewöhnliches für das Bauhaus.
Sie erinnern sich, dass jede zweite Person nebenbei fotografierte, und niemand fand das besonders bemerkenswert.

Der Begriff 'Bauhaus-Fotografie' ist in vielerlei Hinsicht eine Fehlbezeichnung. Um das Phänomen in einen breiteren, genaueren Kontext zu stellen, wird der Begriff 'Bauhaus-Fotografien' empfohlen:
Er bezieht sich nicht auf eine Bewegung oder eine Art von Fotografie, sondern auf Bilder von Bauhauslehrern und -schülern oder in Bezug auf 'Bauhaus'-Leute, Ereignisse, Objekte, Übungen, Grafiken, Veröffentlichungen und architektonische Strukturen.

Im Hinblick auf das Bauhaus als Schule liegt der Schwerpunkt auf dem Gebrauch der Fotografie bei den Bauhäuslern sowie auf den vorherrschenden Kunsttheorien, die diese Praxis beeinflusst haben könnten.“ (frei übersetzter Text, © Suzanne E. Pastor, Eine Veröffentlichung aus Anlass des die gleichnamige Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft Hannover vom 19. September bis 2. November 1986.)