Gunnar SCHMIDT (text), Edition Imorde (ed.)

Bombenkrater. Das Bild der terroristischen Moderne - Ausgesprochen empfehlenswert!


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'Bombenkrater. Das Bild der terroristischen Moderne' ist ein aus meiner sicht völlig unter dem Radar laufender Fotoband, der wenigstens in jede foto-journalistische Bibliothek gehört.
Bei seiner Recherche zu einem völlig neuen Bildmotiv in der Kunst/Fotografie des frühen 20. Jahrhunderts bis heute hat Gunnar SCHMIDT hat interessantes, oft unbekanntes Material zusammen getragen, das Beachtung verdient. Der (leider nur deutsch-sprachige) Text liest sich flüssig und ist sehr informativ; die Abbildungen sind sehr gut wiedergegeben, oft nur halb-seitig, aber völlig ausreichend zur Illustration des Beschriebenen.

"Mit dem Ersten Weltkrieg entsteht im Bereich der Fotografie und der Kunst ein neues Bildmotiv, das bis heute ein Fortleben aufweist: das Motiv des Bombenkraters. Die vorliegende Monografie ist die erste Studie, die das historisch neue Landschaftsbild in seinen formalen Wandlungen, sich ändernden Verwendungen und Semantiken darstellt.

In fünf Kapitelschritten werden signifikante Epochenkonflikte ikonografisch erkundet:
- Erster Weltkrieg,
- Zweiter Weltkrieg,
- Atomwaffentests,
- Vietnamkrieg,
- islamistischer Terror.

Die unterschiedlichen bildlichen Ausdrucksformen sowie ihre jeweiligen zeitgebundenen Kontexte – Orte der Kriege, Kriegsführung, Produktions- und Rezeptions-Bedingungen der Bilder – werden als Mitteilungen verstanden, die über spezifische kulturelle Affektlagen Auskunft geben: über Traumatisierungen und existentielle Erlebnissituationen, über Trauerarbeit, Verleugnung und Größenfantasien, über Landschafts- und Energieerfahrungen, aber auch über Hoffnung und Utopiewünsche.

Materialgrundlage der Untersuchung sind sowohl private Fotografien von Soldaten, Bilder von Journalisten und Dokumentaristen sowie militärische Aufklärungs- und Propagandafotografien als auch künstlerischen Arbeiten (George N. BARNARD, Helmuth Philipp Theodor BOSSERT, Hermann REX, Georg SOLDAN, William RIDER-RIDER, Ernst JÜNGER, Frank HURLEY, Erich Otto VOLKMANN, Heinz HAJEK-HALKE, Margaret BOURKE-WHITE, Henning ROGGE, Fritz GORO, Richard MISRACH, Mark RUWEDEL, Emmet GOWIN, Vandy RATTANA, Sophie RISTELHUEBER, Otto DIX, Paul NASH, Franz Erhard WALTHER), die in unterschiedlichen Medien ausgeführt sind: Fotografie, Zeichnung, Malerei, Grafik und Skulptur.

Der thesenstarke Untertitel der Monografie, 'Das Bild der terroristischen Moderne', gewinnt seine Plausibilität aus der Tatsache, dass moderne kriegerische Auseinandersetzungen vor allem auf terroristischen Landvernichtungsmaßnahmen basieren.
Das Motiv der verletzten Erde erweist sich vor diesem Hintergrund als epochales Inbild für das fassungslose Schauen in den Abgrund exterminierender Destruktivität. Moderner Terror, der derzeit für globale Unruhe sorgt, wird in der nachträglichen Historisierung über das Bildformativ als Kraft anschaulich, die nicht darauf zielt, Räume zu beherrschen, sondern durch Schreckensdesign unbehausbar zu machen.

Über den Autor, Gunnar SCHMIDT:
Gunnar SCHMIDT ist Professor für das Lehrgebiet Theorie und Praxis des Intermedialen am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Trier.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind Medienästhetik, Medienkunst und Kulturgeschichte der Medien.