Mathias BRASCHLER, Monika FISCHER, Monika Jonathan Watts (preface), Peter ZIMMERMANN (Book Design)

China


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"En route in China, where the social differences are as vast as the country itself - Swiss photographers Monika FISCHER (b.1971) and Mathias BRASCHLER (b.1969) decided to take one portrait every day on their thirty-thousand-kilometer journey across China.
Most of the time they did not know whom they would meet, and so along the way they created an astonishing, kaleidoscopic view of the country’s diverse population, a cross-section of all of society’s classes, ethnicities, and age groups.

Their series of documentary photos shows both the winners and losers emerging from the overwhelming changes in the enormous country: the farmer who lives just a couple of kilometers away from the Chinese space center but still plows his small farm with a team of water buffalos; the filthy-rich owner of a yacht club, posing casually in front of his purple Lamborghini; or the little girl from the traveling circus, standing on the table that serves as her stage. Braschler and Fischer give them names, describe their stories, and maintain their dignity." (publisher's note, © Hatje Cantz, 2012)

"Unterwegs in China: So groß wie das Land ist, so gewaltig sind auch die sozialen Unterschiede. - Die Schweizer Fotografen Monika FISCHER (* 1971) und Mathias BRASCHLER (*1969) nahmen sie sich vor, auf ihrer 30 000 Kilometer langen Fahrt durch China jeden Tag ein Porträt aufzunehmen. Wen sie treffen würden, wussten sie zuvor meist nicht, und so entstand entlang ihres Wegs ein verblüffendes Kaleidoskop, das die Vielfalt der Bevölkerung quer durch sämtliche Bevölkerungsschichten, viele Ethnien und über alle Altersgruppen hinweg vor Augen führt.
Ihre dokumentarische Fotoserie zeigt Gewinner wie Verlierer der gewaltigen Veränderungen im Riesenreich: Den Bauer, der ein paar Kilometer vom chinesischen Weltraumzentrum entfernt seinen winzigen Acker noch mit Wasserbüffeln pflügt, den steinreichen Besitzer eines Yacht-Clubs, der lässig vor seinem lila Lamborghini posiert, oder das kleine Mädchen vom Wanderzirkus, das auf dem Tisch steht, der ihm als Bühne dienen muss. Braschler und Fischer nennen ihre Namen, beschreiben ihre Geschichte und bewahren ihre Würde." (Verlagstext, © Hatje Cantz, 2012)

Buchbesprechung:
"Mehr Texte und mehr Landschaftsaufnahmen würde ich mir wünschen, ansonsten ist dieser schöne Bildband hervorragend gelungen. Auf der linken Seite findet sich die Bildbeschreibung, auf der rechten Seite das Porträt jeweils eines Bewohners dieses riesigen Landes, 'one in a billion' sagt der britische Ostasien-Korrespondent für den Guardian und Verfasser des Vorworts zum Buch, Jonathan Watts dazu treffend.

Die Fotos füllen mindestens eine, mitunter aber auch gut zwei Drittel der Doppelseite. Auch wenn es nicht näher erläutert wird, so findet sich wohl zu jedem Porträtierten der Name in Schriftzeichen, zumeist in chinesischen, aber selten auch in Arabisch (?), sicher bin ich mir dabei nicht, optisch aber eine sehr schöne Idee.
In Deutsch und Englisch werden Name, Alter, Beruf sowie in wenigen Sätzen eine Mini-Biographie der dargestellten Person abgedruckt. Von Liu Tianayou (91), ältester lebender Teilnehmerin des Langen Marsch über Wu Shiya (8), Schülerin aus Jilin über Zhang Zhiqiang (41), Architekten erstreckt sich die Bandbreite der ausgewählten Menschen.
Ob außer Ai Weiwei (51) noch andere Prominente in diesem Buch zu finden sind vermag ich nicht zu sagen.

Der Fokus liegt, trotz sehr professioneller Fotos, offensichtlich auf dem chinesischen Alltag. Matthias BRASCHLER und Monika FISCHER zeigen die Vielfalt, die raschen Veränderungen und die starken Kontraste (Raumprogramm neben dem Feld eines Bauern der jährlich 540 Euro erwirtschaftet. Eine demütige, dankbare Pfandflaschensammlerin mit einem Verdienst von 20 Cent am Tag neben dem Spross einer Golfclub-Unternehmerfamilie, die ihrem 35-jährigen Filius einen Lamborghini ermöglichte. Sicher, wer so etwas will wird es auch in den USA oder Deutschland finden, wenn wohl auch in anderer Form. Das ein Gefängnis-Insasse nicht, ein tibetischer Mönch aber nicht fotografiert werden durfte ist interessant, wird von den Autoren aber nicht weiter kommentiert.

Was lässt sich nicht alles durch dieses Buch lernen. Der Chilli von der Chilli-Farm, auf der die 22-jährige Chen Liquin arbeitet, wird hauptsächlich für die Kosmetikindustrie verwendet. Die leuchtend rote Farbe findet sich in weltweit verwendeten Lippenstiften und Puderdosen. Diebstahl oder Selbstmord gibt es in China nicht, das scheint die Botschaft des Bahnsicherheitsbeamten Ma Chun zu sein, dessen Job nach eigener Aussage lediglich darin besteht, Schafe von den Schienen fernzuhalten.
Ein Haarschnitt bei Friseur Dai Huaquan (62) kostet 2 Yuan (20 Cent). Das ausgerechnet eine Ärztin, die noch im siebten oder echten Monat Geburten abbrechen muss, um die 1-Kind Politik Chinas umzusetzen, zu den würdevollsten Motiven gehörte ist paradox und wird entsprechend im Buch kommentiert. Gleichzeitig ist dieser kurze Satz von immenser Bedeutung, wie viel Schmerz muss das für die Betroffenen bedeuten? Mitunter sagt ein Bild und ein kurzer Satz eben doch sehr viel mehr aus, bewirkt mehr und stimmt nachdenklicher als eine langatmige Abhandlung über ein Thema. Darin zeigt sich die Genialität dieses Buches! Lapidares neben trivialem, amüsantes (Lamborghini!) neben Hochinteressantem (in China wird derzeit mit Las Vegas Shows wie einer Venedig Nachbildung mehr Umsatz generiert als in Las Vegas selbst). Faszinierendes China!

Würdevolle Aufnahmen aus einem, das zeigt das Buch sehr eindrucksvoll, sehr großen und vielseitigem Land, die dabei helfen China besser zu verstehen. Ein sehr schönes Buch! Das Vorwort stammt vom Ostasien-Koresspondenten des Guardian Jonathan Watts." (© j.soprano)