Hannah MODIGH, Patric LEO (Book Design)

Hurrican Season


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"Instead of a description, I would like to refer to this interview published on Spiegel Online:

Spiegel: Why did you even want to go there?
MODIGH: At first, I was interested in this macho culture. In my books, the people there were described as pretty bull-necked. It is not allowed to show feelings, they suppress them. I wanted to take a closer look.

Sp: And why the title 'Hurricane Season'?
MODIGH: At that time it was not about hurricanes at all - it still is not. The hurricane is more of a metaphor for life on the brink of the eruption. As I traveled through Louisiana, I felt that feeling very strongly among the people I met.

Sp: Is there a specific situation that you remembered?
MODIGH: When I was there, hurricane "Isaac" raged. I've just been to a family living in a trailer near Baton Rouge, in the middle of Louisiana. I spent part of my childhood in India. There were many times storms, but we lived as white privileged people in a big house. When storms raged we lit candles and I felt sheltered. That was not the case in this trailer. Nobody helps these people. Not only when it storms. Something can break over them at any time. Everything is quiet, peaceful - but there is something lurking beneath the surface.

Sp: What exactly is it?
MODIGH: When I traveled through Louisiana, I encountered a deep-seated racism. An encounter hit me especially. A man said to me, 'I am a born racist.' I think you decide how you want to live. In Louisiana, I got to know the opposite. This man was a member of the Ku Klux Klan. He said he did not choose to be a racist. It was just part of his growing up. Something he had heard from his parents. A safety anchor he had been holding on to since childhood. I thought about it a lot.

Sp: Is this belief in fate typical of Louisiana?
MODIGH: I do not know if the majority thinks that way. But many have realized that it is very difficult to break out of this circle. There is this hurricane that pushes you to the ground. That has always interested me. Our heritage and how it affects us.

Sp: The divide between people seems to be the foundation of 'Hurricane Season'.
MODIGH: Of course I had read some things, but the reality was much worse than I expected. There is racism from both sides - and I was not prepared for one or the other.

Sp: Where did you meet prejudices in the black population?
MODIGH: Some of the toughest areas were black districts in New Orleans. I thought it was not a problem to walk around there. But I was an intruder, a placeholder for all the bad things whites had done to them. In one situation, I was threatened with a weapon and asked to disappear.

Sp: Did that change your view of the people there?
MODIGH: When I saw how they lived, I could understand their anger and despair. Bob Marley sang: 'People are free, but they are chained by poverty.' That fits the lives of the people in the south quite well. The prison system in the southern states is an example of this. Privately run prisons receive money for anyone who is in prison. When black prisoners walk and work through the fields, it looks like slavery images in the cotton plantations.

Sp: Bare body and naked earth - your pictures also show a lot of vulnerability.
MODIGH: I work a lot with skin and nature that have been left. There is a connection between both and how they are bared.

Sp: Are the people from Louisiana leaving? Bared?
MODIGH: In the case of Hurricane 'Kathrina' they were. People saw live on TV that they had been abandoned. But that's true of a lot of poor people in America. They fight for themselves and receive little help.

Sp: That sounds very depressing. Were there any nice moments?
MODIGH: When the storm was over, the family I lived near Baton Rouge turned the back of a pickup into a swimming pool for the kids. Although they are on the brink, they live the moment. And there is a lot of laughter. "

About the photographer, Hannah MODIGH (b. 1980):
Hannah MODIGH is a Swedish photographer living in Stockholm.

Further photobooks by Hannah MODIGH are:
'Hillbilly Heroin Honey',
'Sunday Mornin' Comin 'Down'
'The Milky Way' and
'Delta'

"Anstelle einer Beschreibung möchte ich dieses auf Spiegel Online veröffentlichte Interview verweisen:

'Spiegel: Warum wollten Sie denn überhaupt dort hinreisen?
MODIGH: Zu Beginn war ich interessiert an dieser Macho-Kultur. In meinen Büchern wurden die Leute dort als ziemlich stiernackig beschrieben. Gefühle zu zeigen ist ihnen nicht erlaubt, sie unterdrücken sie. Das wollte ich mir näher anschauen.

Sp: Und warum der Titel 'Hurricane Season'?
MODIGH: Damals ging es überhaupt nicht um Hurrikans - geht es eigentlich immer noch nicht. Der Hurrikan ist für mich eher eine Metapher für das Leben am Rande der Eruption. Als ich durch Louisiana reiste, spürte ich dieses Gefühl sehr stark bei den Menschen, die ich getroffen habe.

Sp: Gibt es eine bestimmte Situation, die Ihnen im Gedächtnis geblieben ist?
MODIGH: Als ich da war, tobte der Hurrikan "Isaac". Ich war gerade bei einer Familie, die in einem Trailer nahe Baton Rouge lebte, in der Mitte Louisianas. Einen Teil meiner Kindheit habe ich in Indien verbracht. Da gab es auch oft Stürme, aber wir lebten als weiße Privilegierte in einem großen Haus. Wenn Stürme wüteten, zündeten wir Kerzen an, und ich fühlte mich behütet. In diesem Trailer war das nicht der Fall. Niemand hilft diesen Menschen. Nicht nur, wenn es stürmt. Jederzeit kann etwas über sie hereinbrechen. Alles ist ruhig, friedlich - aber da lauert etwas unter der Oberfläche.

Sp: Was lauert da genau?
MODIGH: Als ich durch Louisiana reiste, begegnete ich einem tief sitzenden Rassismus. Eine Begegnung traf mich besonders. Ein Mann sagte zu mir: 'Ich bin ein geborener Rassist.' Ich glaube, man entscheidet sich dafür, wie man leben will. In Louisiana habe ich das Gegenteil kennen gelernt. Dieser Mann war Mitglied des Ku-Klux-Klans. Er meinte, er habe sich nicht dafür entschieden, Rassist zu sein. Es war einfach ein Teil seines Aufwachsens. Etwas, das er von seinen Eltern mitbekommen hatte. Ein Sicherheitsanker, an dem er sich seit seiner Kindheit festhielt. Darüber habe ich sehr viel nachgedacht.

Sp: Ist dieser Glaube an das Schicksal typisch für Louisiana?
MODIGH: Ich weiß nicht, ob die Mehrheit so denkt. Aber viele haben realisiert, dass es sehr schwer ist, aus diesem Kreis auszubrechen. Es gibt halt diesen Hurrikan, der dich zu Boden drückt. Das hat mich schon immer interessiert. Unser Erbe und wie es uns beeinflusst.

Sp: Die Kluft zwischen Menschen scheint das Fundament von 'Hurricane Season' zu sein.
MODIGH: Natürlich hatte ich einige Dinge gelesen, aber die Realität war viel schlimmer, als ich es erwartet hatte. Es gibt Rassismus von beiden Seiten - und ich war weder auf den einen noch den anderen vorbereitet.

Sp: Wo haben Sie Vorurteile in der schwarzen Bevölkerung kennen gelernt?
MODIGH: Einige der härtesten Gegenden waren schwarze Bezirke in New Orleans. Ich dachte, es sei kein Problem, da herumzulaufen. Aber ich war ein Eindringling, ein Platzhalter für all die schlechten Dinge, die Weiße ihnen angetan hatten. In einer Situation wurde ich mit einer Waffe bedroht und aufgefordert, zu verschwinden.

Sp: Hat das Ihren Blick auf die Menschen dort verändert?
MODIGH: Als ich sah, wie sie lebten, konnte ich ihre Wut und Verzweiflung verstehen. Bob Marley sang: 'Die Menschen sind frei, aber sie sind angekettet durch Armut.' Das trifft das Leben der Menschen im Süden ganz gut. Das Gefängnissystem in den Südstaaten ist ein Beispiel dafür. Die privat betriebenen Gefängnisse bekommen Geld für jeden, der einsitzt. Wenn schwarze Häftlinge durch die Felder laufen und arbeiten, sieht das aus wie Bilder aus der Zeit der Sklaverei in den Baumwollplantagen.

Sp: Nackte Körper und nackte Erde - Ihre Bilder zeigen auch viel Verletzliches.
MODIGH: Ich arbeite viel mit Haut und Natur, die verlassen wurden. Es gibt eine Verbindung zwischen beiden und wie sie entblößt werden.

Sp: Sind die Menschen aus Louisiana verlassen? Entblößt?
MODIGH: Im Fall von Hurrikan 'Kathrina' waren sie das. Die Menschen konnten live im TV sehen, dass man sie verlassen hatte. Aber das trifft ja auf eine ganze Menge armer Menschen in Amerika zu. Sie kämpfen für sich selbst und bekommen kaum Hilfe.

Sp: Das klingt alles sehr bedrückend. Gab es auch schöne Momente?
MODIGH: Wenn der Sturm vorbei war, machte die Familie, bei der ich nahe Baton Rouge lebte, aus der Ladefläche eines Pick ups ein Schwimmbad für die Kinder. Obwohl sie am Abgrund stehen, leben sie den Moment. Und es wird viel gelacht."

Über die Fotografin, Hannah MODIGH (*1980):
Hannah MODIGH ist schwedische Fotografin und lebt in Stockholm.

Weiterer Fotobände von Hannah MODIGH sind:
'Hillbilly Heroin Honey',
'Sunday Mornin' Comin' Down'
'The Milky Way' und
'Delta'