Hugo ERFURTH, Werner MANTZ, Albert RENGER-PATZSCH, August SANDER, Reinhard Matz (ed.), Wolfgang Vollmer (ed.)

Köln vor dem Krieg. Leben - Kultur - Stadt. 1880-1940


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"Majestätische stuckverzierte Häuser, freie Plätze, stolze Brückentürme, ein Sandstrand, wo heute Ufermauern aufragen: „Och wat wor da fröher schön doch en Colonia“ – das Lied von Willi Ostermann kommt dem Betrachter automatisch in den Sinn, wenn er den Fotoprachtband durchblättert.

Mit seinen über 400 Fotos spiegelt es Stadtgeschichte über sechs Jahrzehnte wider. Es ist die Zeit, in der Köln zu einer modernen Großstadt wurde. Architektur und Stadtentwicklung, Freizeit und Arbeitswelt, Soziales und Wirtschaft, Kultur und Verkehr – all das hielten die Fotografen mit ihren Kameras fest. Von vielen weiß man die Namen nicht mehr. Andere dagegen gehören zu den Großen: August SANDER etwa, Albert RENGER-PATZSCH, Hugo ERFURTH oder Werner MANTZ.

Gut vier Jahre lang waren Reinhard MATZ und Wolfgang VOLLMER, selber Fotografen, auf der Suche nach den historischen Dokumenten. Dabei wurden sie sogar im schwedischen Film- und Fernseharchiv fündig: Der schwedische Rundfunk hatte eine Zeitschrift, um seine Radioreportagen zu „illustrieren“. Eben auch die, die vom Karneval oder Hochwasser in Köln berichteten. Bei ihrer Auswahl – „wir könnten noch ein zweites Buch herausgeben“, so MATZ & VOLLMER – achteten sie darauf, dass es „aktuelle“ Fotos waren.

So sehen wir Arbeiter beim Abriss der mittelalterlichen Stadtmauer. Wir sehen Kölner, die 1919 britische Tanks vor dem Dom bestaunen. Wir sind dabei, wenn das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. auf dem Heumarkt aufgestellt wird. 1903 umkreist ein Zeppelin den Dom, 1929 landet das Flugboot DO-X auf dem Rhein. Straßenbahnen halten vor dem Hauptbahnhof, durchfahren die Schildergasse.

Fordwerke, Messe und Universität werden gebaut, am Hansaring entstand das damals höchste Haus Europas – mit 17 Stockwerken ein Stockwerk höher als die Konkurrenz in Düsseldorf. 1928 treiben Eisschollen auf dem Rhein.
Prominenz darf nicht fehlen: Willy Millowitsch, René Deltgen, Willi Ostermann sind im Foto dabei.

Doch spielen die 'einfachen' Menschen in diesem Buch die wichtigste Rolle. Die Kölner feiern Karneval, treiben Sport, drängeln sich in der Hohe Straße, vergnügen sich auf der Kirmes, suchen Suppenküchen auf, demonstrieren für Arbeitsplätze, schauen zu, wie ihre jüdische Mitbürger von SA-Männern gedemütigt werden, und drängeln sich, um Hitler zuzujubeln. Und ganz wenige leisten Widerstand und pinseln 'Heil Navajo' an eine Wand.

Eingestreut zwischen den reichen Bilderbogen sind zeitgenössische literarische Texte. Ricarda Huch etwa beschreibt ihren zwiespältigen Eindruck von Köln und Egon Erwin Kisch lästert über das „verkitschte“ Köln. Historische Dokumente lassen die damalige Stimmung lebendig werden: Zeitungen verkünden den Kriegsbeginn 1914, 1936 feiern sie die Remilitarisierung des Rheinlands. Und 1939 verlangt 'Zellenleiter' Jaeger von einem Mieter eine Erklärung, warum er trotz Anordnung keine Hakenkreuz-Fahne ausgehängt hat

Das Buch endet mit Bildern vom brennenden Köln und einer Luftaufnahme von der zerbombten Stadt. Beim Wiederaufbau wurde nur wenig Rücksicht genommen auf die Geschichte. Ob Köln ohne die Zerstörung besser mit der historischen Schönheit umgegangen wäre bleibt Spekulation. (text: js für koeln.de, Source: http://www.koeln.de/koeln/so_schoen_war_koeln_vor_dem_krieg_663519.html)

Review:
"Ein Großstadtbuch, wie man es sich nur wünschen kann." (Deutschlandfunk)