Arnold Odermatt, Urs Odermatt (ed., text)

Karambolage, 2nd printing (IN STOCK: 2 COPIES WITH SLIGHTLY DAMAGED DUST COVER WITH 10% DISCOUNT)


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"With thoroughness and meticulous attention to detail, Arnold Odermatt photographed automobile accidents on the streets of the Swiss Canton Nidwalden. For 40 years the Swiss police officer captured accident scenes and property damage. In his photos the drivers have gone and the victims have been removed. All that's left are the wrecked cars that tell the stories of excessive speed, drunk driving, right-of-way errors and plain follishness. The deformed steel takes on a malleable quality. The cars become sculptures that show the sudden end to many hopes and dreams, the intrusion of the unforeseen into well-regulated daily life. What results from the picture-taking policeman's official work is a selection of melancholic, sometimes funny and always strange atmospheric photos of our mobile society." (publisher's note)

"Mit akribischer Gründlichkeit hat Arnold Odermatt Verkehrsunfälle auf den Straßen des Schweizer Kantons Nidwalden fotografiert. Vierzig Jahre lang hielt der Schweizer Polizist Tatorte und Sachschäden fest. Die Verkehrsteilnehmer sind fort, die Opfer abtransportiert.
Zurück bleiben zerbeulte Autos: Sie erzählen Geschichten von überhöhter Geschwindigkeit und Trunkenheit am Steuer, von Missachtung der Vorfahrtsregeln und Leichtsinn. Das verformte Blech gewinnt plastische Qualität. Die Wagen werden zu Skulpturen, die vom jähen Ende vieler Ziele und Hoffnungen zeugen, vom Einbruch des Unvorhergesehenen in den wohlgeordneten Alltag.
Aus den Amtshandlungen des fotografierenden Polizisten wurden melancholische, bisweilen komische, stets atmosphärische Momentaufnahmen unserer mobilen Gesellschaft." (publisher's note)

Review:
Schöne Fotos von verbeulten Autos - Ein Schweizer Polizist zeigt, wie Unvorhersehbares in wohl geordneten Alltag tritt

Was passiert, wenn eine mobile Gesellschaft abrupt zum Stillstand gezwungen wird? Die Antwort geben Fotos von Arnold Odermatt. War seine Arbeit am Unfallort beendet, drückte der Polizist auf den Auslöser.

Welch ein Dachbodenfund! Was der Sohn Urs Odermatt da von seinem Vater, einem passionierten Fotografen, entdeckte, hatte es in sich; denn Arnold Odermatt war nicht nur Fotograf, er war in erster Linie Polizist im Schweizer Kanton Nidwalden und hat über einen Zeitraum von 40 Jahren die spektakulärsten Verkehrsunfälle des Kantons in Schwarzweiß-Fotografien festgehalten. Die Verkehrsteilnehmer sind fort, die Opfer abtransportiert.

Zurück bleiben zerbeulte Autos, Tatorte und Sachschäden. Man kann den Knall noch hören, zugleich spürt man beim Betrachten der Bilder die aberwitzige Stille danach, die Ruhe nach dem Sturm. Umgekippte LKWs, das zerbeulte Mercedes-Coupé im Stacheldraht, der auf dem Rücken liegende, hilflose Käfer; sie alle zeugen von überhöhter Geschwindigkeit und Trunkenheit am Steuer, von Missachtung der Vorfahrtsregeln und dem entscheidenden Moment, in dem der Leichtsinn seinen großen Auftritt hatte.

Darüber hinaus erzählen die Bilder allesamt dieselbe Geschichte: die des plötzlichen Stillstandes unserer mobilen Gesellschaft. Auf manchen hat das verformte Blech gar eine plastische Qualität; vielleicht ist der an der modernen Kunstgeschichte geschulte Blick daran nicht ganz unschuldig, schließlich kennt man die „Car-Crash-Paintings“ von Andy Warhol oder die Skulpturen aus zusammengepresstem Autoblech von John Chamberlain, die ebenfalls in den 50er, 60er, 70er Jahren ihre Blütezeit hatten und heute Kunstgeschichte sind.

Jedenfalls ist Nostalgie und Karambolage eine seltsame Kombination, das wird einem beim Durchblättern hunderter Verkehrsunfallbilder bewusst. Die Nostalgie gibt den verbrämten Glorienschein der „guten alten Zeit“ bei, die Karambolage die Geschichte einer furchtbaren Dramatik. Jedes Bild ist für sich genommen ein Rätsel. Was genau ist passiert? Zwei Dinge werden deutlich. Zum einen der nicht selten bizarre Moment, den Unfälle mit sich bringen: sprudelnde Hydrantenfontänen, Boote auf den Straßen, ein riesiger Heuballen auf der Autobahn, abstruse Situationen am Geländer(die Vorderreifen in der Luft über dem Abgrund) – das Ende der Hoffnung ist unvorstellbar. Zum anderen bringt einen die Absenz der Menschen auf den Bildern zum Nachdenken. Wie ist es ihnen wohl ergangen? Gab es bloß ein paar Schrammen oder Schlimmeres? Ganz am Ende steht die Zerbrechlichkeit des menschlichen Schicksals: Viel zu plötzlich kann das Unvorhergesehene in unseren wohlgeordneten Alltag einbrechen." (Arne Rautenberg, in: Saarbrücker Zeitung vom 14. März 2014, Quelle: http://www.saarbruecker-zeitung.de/kultur/art448935,5178424)

Weitere Publikationen von Arnold Odermatt:
'Meine Welt. Fotografien / Photographs 1939-1993' (2001)
'Meine Welt. Fotografien / Photographs 1939-1993' (Re-edit 2006)
'Im Dienst (On Duty - En Service - Im Dienst)' (2007)
'In zivil - Hors service - Off Duty' (2010)
'Im Dienst (On Duty)' (Re-edit 2013)
'Feierabend - Aprés le boulot - After work' (2016)
'Ein gutes Bild muss scharf sein' (2017)

Über den Fotografen:
Arnold Odermatt wurde 1925 im Kanton Nidwalden in der Schweiz geboren. Von 1948 bis 1990 war er dort Polizist. Seine Fotografien wurden 2001 auf der Biennale in Venedig und später am Art Institute in Chicago und im Museum Winterthur gezeigt. Sein Werk wird seit 1993 von seinem Sohn, dem Film und Theaterregisseur Urs Odermatt, publiziert.