Michael SCHMIDT

89/90


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"Wir sind eingeladen, uns anzuschauen, was sich bei oder nahe der alten Mauer befindet und vom neuen Berlin (noch) nicht beseitigt worden ist. Manche von SCHMIDTs Szenerien wirken wie Fotos von Ausgrabungen.

Es handelt sich dabei um ziemlich brüske Dispositive: Einzelne Gegenstände oder bloße Spuren nehmen das Auge des Betrachters mit einer Roh- oder Schutzlosigkeit gefangen, so als ob sie an einem Protestakt mitwirkten. Aber alle Dinge bleiben stumm. Wie auch in seinen Ausstellungen und anderen Büchern hat SCHMIDT in '89/90' alle direkten Erklärungen und ausweisenden Untertitel weggelassen. Auf diese Weise gelingt es SCHMIDT, den historischen Status des jeweiligen Monuments oder Dokuments noch eindringlicher zu hinterfragen. (...)

Das gesamte fotografische Werk von SCHMIDT führt eine einzige große Ermittlung in der Frage, in welchem Zustand sich Deutschland befand, befindet und befinden wird. SCHMIDTs Bilder sind unmissverständlich Deutschlandbilder. Damit steht er in derselben Tradition wie seine Kollegen August SANDER, Bernd und Hilla BECHER und Hans-Peter FELDMANN, allesamt ebenso exemplarische Fotografen der deutschen Staaten." (verlagstext)

Zum Fotografen, Michael SCHMIDT (*1945 in Berlin - Mai 2014 in Berlin):
"In seinem Oeuvre, das bis ins Jahr 1965 zurückreicht, hat der deutsche Fotograf Michael SCHMIDT sich immer und immer wieder mit der in ständiger Veränderung begriffenen Stadtlandschaft seines Geburtsorts beschäftigt.

Mit seinem Buch 'Waffenruhe' (1987), das einem neuen lyrischen Stil huldigte und Grau als dezidierte Farbe einsetzte, erlangte Schmidt internationale Anerkennung. In 'Waffenruhe' fokussierte SCHMIDT die emotionalen Bedingungen des Ideologiewandels, wie sie sich in den urbanen Räumen Berlins und im Leben seiner Einwohner widerspiegeln. 'Ich machte einige Bilder, auf denen nur Suppe zu sehen ist dieselbe Suppe, die damals im November herrschte', teilte SCHMIDT schon Ende der 1970er Jahre über einige seiner Berliner Aufnahmen mit.
Spielte er, ohne es selbst zu diesem Zeitpunkt zu ahnen auf die spätere Suppe vom legendären Herbst 1989 an? SCHMIDT versteht sich jedoch nicht als sozialkritischer Fotograf. Er wolle die Welt nicht verändern, sondern leiste ihr Widerstand und betrachte sich als Realisten im BRECHT'schen Sinne: 'Realismus ist nicht, wie die wirklichen Dinge sind, sondern wie die Dinge wirklich sind'." (text © snoeck verlag)