Thomas Struth, Dieter Schwarz (text)

Löwenzahnzimmer


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"Die Publikation dokumentiert eine zehn Jahre alte, aber kaum bekannte Werkgruppe des deutschen Fotokünstlers: unter dem Titel 'Löwenzahnzimmer' wird eine Arbeit aus über hundert Photographien gezeigt, die in einer Winterthurer Privatklinik hängt.

Für die Auftragsarbeit wagte sich STRUTH auf neues Terrain: Er fotografierte nicht mehr urbane Szenen, sondern Landschaften sowie Pflanzenblüten aus dem Zürcher Weinland und komponierte daraus für jeden Raum ein einzigartiges Ensemble. Vor ihren Augen haben die Patienten seither ein großformatiges Landschaftsbild, über ihren Köpfen hängen Close-ups mit Motiven aus der mitteleuropäischen Flora.

Man muss schon genauer hinsehen, um zu merken, dass da kein idyllisierendes Auge die Kamera geführt hat, sondern ein unvoreingenommener Sachlichkeitsfanatiker eine prototypische Bestandsaufnahme dessen gemacht hat, was ihm auf seinen Expeditionen ins Zürcher Unterland begegnete. Die Bilder sind menschenleer, das Licht eigenartig dumpf, die Landschaften mit einer Kameraposition auf Augenhöhe eingefangen. In der Kompilation des Buches bricht sich die Geschenkpapier-Schönheit mancher Aufnahmen am Kontrast zu solchen, die buchstäblich ins Kraut geschossen erscheinen.

Mit seinen Blüten und Landschaften hat STRUTH – wie man aus zehn Jahren Distanz feststellen kann – einen künstlerischen Trend wenn nicht geschaffen, so doch früh mit geprägt: den Hang zum Gartenkunstwerk. 1993 zum Beispiel lancierte die Bauhaus-Universität Weimar ihr Langzeitprojekt 'Künstlergärten', das verschiedene Künstler mit dem Medium Vegetation arbeiten lässt.

Auch an der Skulpturen-Ausstellung in Münster 1997 stand üppige Vegetation im Zentrum verschiedener Werke – am augenfälligsten bei den Zürchern FISCHLI/WEISS, die einen simplen Gemüsegarten zum Kunstwerk wuchern ließen.
Ein Jahr später rauften sich die Sammler um Fotographien von Kohlköpfen, Orchideen und Waldbeeren, die von Peter FISCHLI und David WEISS am Computer üppig zusammengemischt worden waren." (Urs STEINER, in: Neue Zürcher Zeitung)