Hannah Modigh

Hurrican Season - HAVE A LOOK TO AMERICA TROUGH SWEDISH EYES - ONLY A FEW SIGNED COPIES IN STOCK!


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SPIEGEL ONLINE-Interview:
SO: Warum wollten Sie denn überhaupt dort hinreisen?
M.: Zu Beginn war ich interessiert an dieser Macho-Kultur. In meinen Büchern wurden die Leute dort als ziemlich stiernackig beschrieben. Gefühle zu zeigen ist ihnen nicht erlaubt, sie unterdrücken sie. Das wollte ich mir näher anschauen.
SO: Und warum der Titel "Hurricane Season"?
M.: Damals ging es überhaupt nicht um Hurrikans - geht es eigentlich immer noch nicht. Der Hurrikan ist für mich eher eine Metapher für das Leben am Rande der Eruption. Als ich durch Louisiana reiste, spürte ich dieses Gefühl sehr stark bei den Menschen, die ich getroffen habe.
SO: Gibt es eine bestimmte Situation, die Ihnen im Gedächtnis geblieben ist?
M.: Als ich da war, tobte der Hurrikan "Isaac". Ich war gerade bei einer Familie, die in einem Trailer nahe Baton Rouge lebte, in der Mitte Louisianas. Einen Teil meiner Kindheit habe ich in Indien verbracht. Da gab es auch oft Stürme, aber wir lebten als weiße Privilegierte in einem großen Haus. Wenn Stürme wüteten, zündeten wir Kerzen an, und ich fühlte mich behütet. In diesem Trailer war das nicht der Fall. Niemand hilft diesen Menschen. Nicht nur, wenn es stürmt. Jederzeit kann etwas über sie hereinbrechen. Alles ist ruhig, friedlich - aber da lauert etwas unter der Oberfläche.
SO: Was lauert da genau?
M.: Als ich durch Louisiana reiste, begegnete ich einem tief sitzenden Rassismus. Eine Begegnung traf mich besonders. Ein Mann sagte zu mir: "Ich bin ein geborener Rassist." Ich glaube, man entscheidet sich dafür, wie man leben will. In Louisiana habe ich das Gegenteil kennengelernt. Dieser Mann war Mitglied des Ku-Klux-Klans. Er meinte, er habe sich nicht dafür entschieden, Rassist zu sein. Es war einfach ein Teil seines Aufwachsens. Etwas, das er von seinen Eltern mitbekommen hatte. Ein Sicherheitsanker, an dem er sich seit seiner Kindheit festhielt. Darüber habe ich sehr viel nachgedacht.
SO: Ist dieser Glaube an das Schicksal typisch für Louisiana?
M.: Ich weiß nicht, ob die Mehrheit so denkt. Aber viele haben realisiert, dass es sehr schwer ist, aus diesem Kreis auszubrechen. Es gibt halt diesen Hurrikan, der dich zu Boden drückt. Das hat mich schon immer interessiert. Unser Erbe und wie es uns beeinflusst.
SO: Die Kluft zwischen Menschen scheint das Fundament von "Hurricane Season" zu sein.
M.: Natürlich hatte ich einige Dinge gelesen, aber die Realität war viel schlimmer, als ich es erwartet hatte. Es gibt Rassismus von beiden Seiten - und ich war weder auf den einen noch den anderen vorbereitet.
SO: Wo haben Sie Vorurteile in der schwarzen Bevölkerung kennengelernt?
M.: Einige der härtesten Gegenden waren schwarze Bezirke in New Orleans. Ich dachte, es sei kein Problem, da herumzulaufen. Aber ich war ein Eindringling, ein Platzhalter für all die schlechten Dinge, die Weiße ihnen angetan hatten. In einer Situation wurde ich mit einer Waffe bedroht und aufgefordert, zu verschwinden.
SO: Hat das Ihren Blick auf die Menschen dort verändert?
M.: Als ich sah, wie sie lebten, konnte ich ihre Wut und Verzweiflung verstehen. Bob Marley sang: "Die Menschen sind frei, aber sie sind angekettet durch Armut." Das trifft das Leben der Menschen im Süden ganz gut. Das Gefängnissystem in den Südstaaten ist ein Beispiel dafür. Die privat betriebenen Gefängnisse bekommen Geld für jeden, der einsitzt. Wenn schwarze Häftlinge durch die Felder laufen und arbeiten, sieht das aus wie Bilder aus der Zeit der Sklaverei in den Bauwollplantagen.
SO: Nackte Körper und nackte Erde - Ihre Bilder zeigen auch viel Verletzliches.
M.: Ich arbeite viel mit Haut und Natur, die verlassen wurden. Es gibt eine Verbindung zwischen beiden und wie sie entblößt werden.
SO: Sind die Menschen aus Louisiana verlassen? Entblößt?
M.: Im Fall von Hurrikan "Kathrina" waren sie das. Die Menschen konnten live im TV sehen, dass man sie verlassen hatte. Aber das trifft ja auf eine ganze Menge armer Menschen in Amerika zu. Sie kämpfen für sich selbst und bekommen kaum Hilfe.
SO: Das klingt alles sehr bedrückend. Gab es auch schöne Momente?
M.: Wenn der Sturm vorbei war, machte die Familie, bei der ich nahe Baton Rouge lebte, aus der Ladefläche eines Pick ups ein Schwimmbad für die Kinder. Obwohl sie am Abgrund stehen, leben sie den Moment. Und es wird viel gelacht.

Über die Fotografin (*1980):
Hannah Modigh ist schwedische Fotografin und lebt in Stockholm. Ihre Arbeiten 'Hillbilly Heroin Honey', 'Sunday Mornin' Comin' Down' und 'The Milky Way' sind auch als Fotobände erschienen.